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Universum (v. lat. universus "gesamt";
v. unus und versus "zu
einem gekehrt"), auch Kosmos, Welt, Weltraum,
a) die Gesamtheit aller Dinge, b) der Raum, in dem alle
materiellen Objekte existieren.
Mit der Erforschung und Beschreibung des Universums befasst sich die ►Astronomie. Was außerhalb des Universums liegt und ob es überhaupt ein 'Außerhalb' gibt, lässt sich durch Beobachtung allein nicht entscheiden. Dagegen kann man durchaus untersuchen, wie sich das Universum entwickelt hat und wie sein weiteres Schicksal verlaufen wird. Hinweise geben die Beobachtung der Himmelsobjekte und der ►Hintergrundstrahlung, einer Mikrowellenstrahlung, die vom ►Urknall herrührt und gleichmäßig das ganze Universum erfüllt. Die Beobachtungen deuten auf folgendes hin: ►Das
Universum dehnt sich immer schneller aus. Die Rotverschiebung des
Sternenlichts lässt sich nur dadurch erklären, dass sich die Entfernung
zwischen allen Galaxien ständig vergrößert. Dies geschieht nicht, wie
man anfangs glaubte, durch ein Auseinanderfliegen der Galaxien seit dem
Urknall. Vielmehr treibt die sogenannte ►Dunkle Energie - ein Term
in der ►Entfernungsformel, dessen physikalische Natur noch ungeklärt ist
- das Raumgefüge selbst auseinander, und zwar nicht gleichmäßig, sondern
mit wachsender Geschwindigkeit. ►Das Universum ist 13,7 Milliarden Jahre alt. Auf diesen Zahlenwert kommt man mit mindestens drei unterschiedlichen Meßmethoden. Wenn man die gegenwärtige Rotverschiebung entfernter Galaxien zurückrechnet, erhält man einen Zeitpunkt, an dem die Dichte des Universums maximal gewesen sein muss. Kurz danach müssen die ersten schweren Elemente im Universum entstanden sein, deren Isotopenverhältnis sich durch den radioaktiven Zerfall seitdem geändert hat und ebenfalls zur Ermittlung des Alters des Universums dienen kann. Auch die gegenwärtige Temperatur der Hintergrundstrahlung passt in dieses Bild: Der ►Urknall als Geburt des Universums ereignete sich vor etwa 13,7 Milliarden Jahren*. ►Das Universum ist homogen und isotrop. Das ist eine vornehme Ausdruckweise dafür, dass es an allen Orten und in allen Richtungen mehr oder weniger gleich aussieht. Die Erde nimmt keine Sonderstellung ein. Darauf deuten zumindest alle Beobachtungen der Materieverteilung im Universum hin. Verdoppelt man die Entfernungsauflösung eines Fernrohrs, sieht man etwa achtmal mehr Galaxien - genau wie zu erwarten ist, wenn die Galaxien im Raum gleichmäßig verteilt sind. Auch die kosmische ►Hintergrundstrahlung ist extrem gleichmäßig. Diese Gleichmäßigkeit lässt sich nur durch eine extrem schnelle Ausdehnung des Raums - die sogenannte Inflation - kurz nach dem ►Urknall erklären. ►Das Universum besteht weitgehend aus unbekannter und unsichtbarer Materie. Normale Materie in Sonnensystemen, kosmischem Staub und interstellarem Gas macht nur 4% der Masse des Universums aus. Über ein Viertel des Universums besteht aus einer noch unbekannten ►Dunklen Materie. Die Dunkle Materie macht sich nur durch ihre Schwerkraft bemerkbar und wurde durch Messung von Umlaufgeschwindigkeiten von Sternen in rotierenden Galaxien entdeckt. Sterne rotieren weit schneller um ihre galaktischen Zentren, als durch die normale Materie der Galaxien erklärbar wäre.
►Das
Universum ist wahrscheinlich unendlich groß. In manchen populärwissenschaftlichen
Büchern findet man Angaben zwischen 13,7 und 46 Milliarden Lichtjahren
zum Radius des Universums. Beides ist Unsinn. Im ersten Fall wurde das Alter mit der Größe
des Universums verwechselt, im zweiten Fall der beobachtbare Bereich
mit dem ganzen Universum. Nur eins ist sicher: Das Universum wird enden. Zeitalter und Ende des UniversumsKeine Angst, noch ist es in seiner Jugendzeit. Doch diese wird nicht unendlich lange dauern. Weitere Zeitalter werden sich anschließen. Nach dem heutigen Stand der Erkenntnis wird die Geschichte des Universums folgendermaßen weitergehen: ► Stellares
Zeitalter. In diesem befinden wir uns heute. Das Universum ist angefüllt
mit Wasserstoffgas, das vom ►Urknall herrührt.
Aus dem Gas entstehen ständig neue Sterne. Die Lebenszeit eines Sterns
geringer Masse kann bis zu 100 Milliarden Jahre betragen. Die meisten
Sterne - wie unsere Sonne - sind allerdings schwerer und enden weit früher.
In fünf Milliarden
Jahren wird die Sonne ihren Wasserstoff verbraucht haben und sich zu
einem roten Riesenstern aufblähen. Dies hat unter anderem das Verglühen
der Erde zur Folge. ► Zeitalter der Schwarzen Löcher. Die einzigen verbliebenen Objekte im Universum sind die ►Schwarzen Löcher, die einst aus massiven Sternen entstanden sind. Aber auch diese unterliegen dem Verfall. Durch die Hawking-Strahlung verlieren sie ständig an Masse. Je massiver ein Schwarzes Loch ist, desto länger dauert dieser Prozess. Doch in 10100 Jahren ist auch das letzte Schwarze Loch vergangen. ► Ende der Vergangenheit. Nach dem Verschwinden der Schwarzen Löcher ist im Universum nichts übrig als ein dünnes kaltes Gas von Neutrinos und Strahlungsteilchen, die aus der Hawking-Strahlung stammen. Die Temperatur nimmt weiter ab, während sich das Universum immer weiter ausdehnt. Das Gas ist überall völlig gleichförmig. In ihm gibt es keinerlei Spuren mehr von all den Dingen, die in früheren Zeiten einmal im Universum existiert haben. Die ►Entropie des Universums hat ihren Maximalwert erreicht. Die Vergangenheit ist für immer ausgelöscht. ► Ende der Zeit. Schließlich hat sich das Universum soweit ausgedehnt, dass alle Teilchen voneinander durch ►Ereignishorizonte getrennt sind. Alle Wechselwirkungen haben aufgehört. Jedes Teilchen hat seine niedrigste von der Quantentheorie erlaubte Energie erreicht. Von nun an steht alles still. Es ist nicht mehr möglich, einen Zeitpunkt von einem anderen zu unterscheiden. Nach dem Erlöschen der Vergangenheit gibt es nun auch keine Zukunft mehr - nur noch Gegenwart. Das Ende der ►Zeit ist gekommen. Weiter: ►Urknall * Sachbücher geben zuweilen abweichende Werte für das Alter des Universums an, etwa 14,5 Milliarden Jahre. Diesmal ist's jedoch kein 'populärer Irrtum', sondern einfach Resultat verschiedener Berechnungsgrundlagen. Der Wert von 13,7 Milliarden Jahren ergibt sich aus der Rotverschiebung von Hintergrundstrahlung und fernen Supernovae. Die 14,5 Milliarden Jahre dagegen wurden aus dem Massenverhältnis von Uranisotopen errechnet, allerdings mit einer Ungenauigkeit von ca. 15%. Nach der Kartierung der Hintergrundstrahlung durch die europäische Raumsonde Planck, deren Start im Frühjahr 2009 geplant ist, werden wir das Alter des Universums vermutlich noch genauer kennen. ** Genauer gesagt einer so genannten Robertson-Walker-Metrik ohne Krümmung. Die Metrik ist ein Maß für ►Entfernungen im Raum und ergibt sich aus den Feldgleichungen der ►Relativitätstheorie. Sie beschreibt die räumliche und zeitliche Struktur des Universums. Die Robertson-Walker-Metrik, 1935 und 1936 von den beiden Physikern formuliert, beschreibt ein nichtrotierendes Universum. *** Auf Internet-Diskussionsforen findet man häufig das Argument, das Universum könne nur endlich groß sein, wenn es sich ausdehnt. Denn wenn es schon unendlich groß wäre, gäbe es ja keinen Platz mehr, in den es hineinwachsen könne. Jedoch ist die Ausdehnung problemlos mit einem unendlichen Raum vereinbar. Stellen Sie sich vor, der Raum sei lückenlos mit unendlich vielen kleinen Gummiwürfeln ausgefüllt, die sich alle gleichmäßig dehnen. Damit dehnt sich auch der Raum, obwohl er bereits unendlich groß ist. **** Im April 2007 haben die US-Physiker Lawrence Krauss und Robert Scherrer hierzu eine Berechnung veröffentlicht, die den Einfluss der ►Dunklen Energie auf die Expansion des künftigen Universums berücksichtigt. Weblinks zum Thema
■ Das fast unendliche Universum. Grenzfragen der Kosmologie
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