Pioneer 10 und 11, die ersten von Menschenhand geschaffenen Objekte auf dem Weg in die Unendlichkeit.

Die amerikanische Raumsonde Pioneer 10 wurde am 3. März 1972 in Richtung Jupiter gestartet. Sie passierte den Planeten im Dezember 1973 und sandte Bilder und Messwerte zurück. Seither befindet sie sich auf einer geraden Bahn in Richtung Aldebaran im Sternbild Stier, wo sie in etwa 2 Millionen Jahren ankommen wird. Ihre Geschwindigkeit beträgt 40.000 km/h oder 0,00004 Lichtjahre pro Jahr. Die letzte Kontaktaufnahme mit der Sonde erfolgte am 22. Januar 2003. Zu dieser Zeit war sie 12 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, und ihre Signale lagen wegen der erschöpften Batterien an der Grenze der Empfangsempfindlichkeit. Bei einem weiteren Versuch im Februar 2003 ließen sich keine Signale von der Sonde mehr empfangen.

Pioneer 11 startete am 6. April 1973 auf einer Atlas-Centaur-Rakete. Die Sonde passierte Jupiter im Dezember 1974 und Saturn fünf Jahre später. Im Februar 1990 überquerte Pioneer 11 die Neptunbahn und erreichte den interstellaren Raum. Der letzte Kontakt erfolgte am 24. November 1995.

Die Pioneer-Anomalie

Vor dem Zusammenbruch des Funkkontakts jedoch übermittelten die Sonden Daten, die als 'Pioneer-Anomalie' bekannt wurden und den Wissenschaftlern 30 Jahre lang Rätsel aufgaben. Die Flugbahnen beider Sonden wichen leicht von den Berechnungen ab. Es hatte den Anschein, als würden die Sonden jenseits des Sonnensystems von irgendetwas abgebremst, so als wären sie in ein unsichtbares Medium eingetaucht. Die Stärke der Abbremsung entsprach ungefähr dem Produkt aus der Lichtgeschwindigkeit und der Hubble-Konstanten. Zur Erklärung wurden alle möglichen Effekte durchgerechnet, wie etwa Messfehler, Sonnenwind, Treibstofflecks, ein Massendefekt im Sonnensystem, eine Abweichung im Gravitationsgesetz und vieles mehr. Erst 2011 konnte eine schlüssige Erklärung gefunden werden, mit Hilfe einer Computersimulation der thermischen Abstrahlung der Raumsonde. Offenbar bewirkte die Differenz der Abstrahlung von der Vorder- und der Rückseite der Raumsonde einen winzigen Rückstoß, der für die Pioneer-Anomalie verantwortlich war.

Die letzte Botschaft der Menschheit...

Außer der Anomalie gab es noch einen mehr irdischen Faktor, an denen die Missionen beinahe gescheitert wären. Da die Sonden so lange weiterfliegen werden, bis sie mit irgendetwas zusammenstoßen, hatte die NASA beschlossen, ihnen eine Grußplakette für ►Außerirdische mitzugeben - gewissermaßen als letzte Botschaft unserer bis dahin vermutlich untergegangenen Zivilisation. Die 23 x 15 cm große goldene Plakette wurde von dem Astronomen Carl Sagan, seiner Frau Linda und dem für die Drake-Formel bekannten Frank Drake gestaltet.


Politisch unkorrekter Gruß an Außerirdische (NASA)

Das hantelförmige Objekt oben links symbolisiert den Hyperfeinstrukturübergang des Wasserstoffmoleküls, des häufigsten Moleküls im Universum. Mit einer Wellenlänge von 21 cm dient er als Maßstab für die ►binären Zahlenangaben auf der Plakette. Links findet man die Position unserer Sonne in Relation zu 14 Pulsaren und zum Zentrum der Milchstraße. Daneben stehen zwei Menschen vor einer Silhouette der Pioneer-Sonde. Die weibliche Durchschnittsgröße ist rechts in Wasserstoff-Einheiten angegeben (168 cm). Der Mann demonstriert die anatomische Besonderheit des gegenläufigen Daumens. Ganz unten ist unser Sonnensystem mit den neun Planeten und der vom dritten Planeten abhebenden Sonde abgebildet. Die Planetenentfernungen sind binär in Einheiten einer zehntel Merkurbahn dargestellt, so dass man ihnen mit einiger Fantasie entnehmen kann, dass Menschen im ►Dezimalsystem rechnen.

...entpuppt sich als Weltraum-Porno

Nachdem der Inhalt der Plakette bekannt wurde (glücklicherweise erst nach dem Start der ersten Sonde), brach ein Sturm der Entrüstung über die NASA herein. Tausende aufrechter ►US-Bürger erregten sich über den Einsatz von Steuergeldern, um Pornographie ins All zu schicken. Feministinnen fanden heraus, dass mit der passiven Haltung der weiblichen Figur und ihrer Orientierung in Richtung Mann außerirdische Rassen zur Männerdominanz bekehrt werden sollten. Vertreter ethnischer Gruppen waren empört über das offenkundige Fehlen von Vertretern ethnischer Gruppen. Die Reaktionen verrieten mehr über die Menschheit als der ganze Inhalt der Plakette. Die geprügelte NASA schaffte es dennoch, auch die zweite Pioneer-Sonde auf den Weg zu bringen, verhält sich jedoch seitdem peinlichst politisch korrekt. Die späteren Raumsonden Voyager 1 und 2 enthielten Schallplatten mit einer ähnlichen Grafik, jedoch ganz ohne nackerte Figuren.


Goldene Schallplatte der Voyager-Sonden [NASA]


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