Neutrinomasse, die Ruhemasse von Neutrino-Teilchen.

Neutrinos entstehen bei radioaktiven Prozessen (Beta-Zerfall). Da sie daher auch in der Sonne und anderen Sternen produziert werden, durchströmen sie ständig in großer Zahl das All. Auch wir werden in jeder Sekunde von Millionen Neutrinos getroffen. Trotzdem gehören sie zu den am schwersten nachzuweisenden Elementarteilchen, denn sie sind elektrisch nicht geladen und extrem klein und leicht. Daher können sie schwere Körper und ganze Planeten problemlos durchdringen.

Das klassische Standardmodell gibt keine Auskunft darüber, ob Neutrinos neben der von ihrer Bewegung herrührenden Masse auch eine Ruhemasse haben. Bestimmte Erweiterungen des Standardmodells sagen jedoch eine Neutrino-Ruhemasse voraus, denn diese ist erforderlich, damit sich verschiedene Neutrinoarten ineinander umwandeln können. Eine Neutrino-Ruhemasse, so klein sie auch wäre, könnte wegen der großen Zahl von Neutrinos auch einen Teil zur Dunklen Materie beitragen.

Mit riesigen unterirdischen Neutrino-Detektoren, die gegen alle anderen Teilchenarten abgeschirmt sind, fand man Hinweise auf eine winzige Neutrinomasse unterhalb von 0,000002 GeV. Doch zur genauen Bestimmung dieser Masse ist weitere Forschung nötig. 2006 soll im Rahmen eines Experiments ein Neutrinostrahl durch das Erdinnere hindurch vom Forschungszentrum CERN in Genf zum 730 km entfernten unterirdischen Gran Sasso-Labor in Italien geschossen und dort gemessen werden. Aus der Anzahl der Umwandlungen der Neutrinos auf dieser Strecke hofft man die Neutrinomasse genauer bestimmen zu können. Vielleicht kommt man dann auch dem Rätsel der Dunklen Materie einen Schritt näher.


Fussnote

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