Zehn Irrtümer des Unendlichen

Wer nicht über das Unendliche nachdenkt, kann auch keinen Irrtümern hierüber unterliegen. Irrtümer sind zur Erkenntnis des Unendlichen geradezu unvermeidbar, denn das Unendliche widerspricht oft unserer Intuition. Zu Missverständnissen beigetragen hat natürlich auch der Umstand, dass Raumsonden und Radioastronomie unser Bild vom Universum in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert haben. Was 1980 noch als richtig galt, gehört heute in die Rubrik populärer Irrtümer. Überholte Vorstellungen spuken trotzdem immer noch durch viele Lehrbücher. Sie haben ein zähes Leben. Damit ist nun hoffentlich Schluss.

 

1. Universum-Irrtum. Unser Universum entstand vor etwa 13,7 Milliarden Jahren aus einem Punkt und dehnt sich seitdem mit Lichtgeschwindigkeit aus. Sein Radius beträgt jetzt also etwa 13,7 Milliarden Lichtjahre.

Fakt: Das Universum entstand nicht aus einem Punkt, sondern war vermutlich schon zu seinem Beginn unendlich groß. Allerdings ist nur ein Bereich von etwa 46 Milliarden Lichtjahren Radius für uns sichtbar. Warum Astronomen dies heute annehmen, können Sie unter den Rubriken Universum und Urknall nachlesen.

 

2. Perspektiven-Irrtum. Je weiter ein Objekt von uns entfernt ist, desto kleiner erscheint es uns.

Fakt: Das stimmt nur für relativ nahe Objekte. Sehr ferne Galaxien sind Scheinriesen - sie erscheinen uns umso größer, je weiter sie entfernt sind. Dieser paradoxe optische Effekt resultiert aus der endlichen Lichtgeschwindigkeit und dem ständigen Wachsen aller Entfernungen im Universum. Näheres erfahren Sie unter Entfernung.

 

3. Rotverschiebungs-Irrtum. Ferne Galaxien erscheinen uns rot, weil sie seit dem Urknall von uns wegfliegen. Die Rotverschiebung kommt dabei durch einen Doppler-Effekt der Lichtwellen zustande.

Fakt: Nach heutigen Erkenntnissen fliegen weder die Galaxien von uns weg, noch ist ein Doppler-Effekt die Ursache für die kosmische Rotverschiebung. Die wahre Ursache ist eine Ausdehnung des Raumgefüges und damit auch der Lichtwellen auf ihrem Weg durch das Universum.

 

4. Parallelwelt-Irrtum. Parallelwelten gibt es nur im Science-Fiction-Roman oder in Hyperräumen oder anderen Dimensionen.

Fakt: Parallelwelten, die der unseren aufs Haar ähneln und in der ein Doppelgänger von Ihnen lebt, gibt es wahrscheinlich in unserem ganz normalen Universum. Das ist eine Folge einerseits seiner Unendlichkeit und andererseits der Tatsache, dass die Zahl der möglichen Weltzustände aufgrund der Quantentheorie endlich ist. Einen Wegweiser zur Ihrem nächsten Doppelgänger finden Sie unter Parallelwelt.

 

5. Raumreisen-Irrtum. Einstein hat bewiesen, dass sich nichts schneller bewegen kann als das Licht. Reisen zu fernen Galaxien sind daher unmöglich, da sie viel zu lange dauern würden.

Fakt: Ganz im Gegenteil verkürzt die endliche Lichtgeschwindigkeit die Reisezeit zu anderen Galaxien erheblich. In nur 15 Jahren könnten Sie völlig konform mit Einstein's Relativitätstheorie den Andromedanebel erreichen. Leider gibt es jedoch ein anderes Hindernis, das so weiten Reisen im Wege steht - nämlich die Frage des Treibstoffs. Näheres über die Probleme von Raumreisen erfahren Sie unter Unendliche Weiten.

 

6a. Zahlen-Irrtum I. Es gibt nur halb so viele gerade Zahlen (2, 4, 6, .) wie Natürliche Zahlen (1, 2, 3, 4, .).

Fakt: Beide Zahlenmengen enthalten genau gleich viele Zahlen. Denn jeder Natürlichen Zahl können Sie genau eine gerade Zahl und jeder geraden Zahl genau eine Natürliche Zahl zuordnen. Das leuchtet Ihnen noch nicht ein? Überzeugen Sie sich unter Abzählbarkeit.

 

6b. Zahlen-Irrtum II. Die Menge der Zahlen ist unendlich. Noch größere Mengen kann es nicht geben, denn noch unendlicher als unendlich geht ja wohl nicht.

Fakt: Das geht durchaus, sogar auf unendlich viele Arten. Wie Mathematiker darauf kommen, dass eine Menge unendlicher ist als eine andere, und wie solche noch unendlicheren Mengen aussehen, können Sie unter Kardinalzahlen nachlesen.

 

7. Unsterblichkeits-Irrtum. Nur Götter sind unsterblich. Alle irdischen Lebewesen altern und sterben.

Fakt: Außer Einzellern gibt es im Tierreich auch höhere Lebewesen mit einer potentiell unendlichen Lebenserwartung. Manche davon sind Ihnen, wenn Sie Hobbytaucher sind, vermutlich schon oft begegnet. Lesen Sie vor Ihrem nächsten Tauchgang den Abschnitt Unsterblichkeit.

 

8. Naturgesetz-Irrtum. Das Verhalten der Natur wird von den Naturgesetzen bestimmt.

Fakt: Die Natur schert sich herzlich wenig um die von Menschen aufgestellten Naturgesetze. Wozu diese in Wirklichkeit gut sind, erfahren Sie unter Naturgesetze.

 

9. Fortschritts-Irrtum. Naturwissenschaften und Mathematik sind heute so weit fortgeschritten, dass wir mittlerweile fast alles über Unendlichkeit, Ewigkeit und das Universum wissen.

Fakt: Trotz dramatischer Fortschritte von Naturwissenschaft und Mathematik im letzten Jahrhundert haben wir gerade mal einen Zipfel des Unendlichen zu fassen bekommen. Die größten immer noch unbeantworteten Fragen finden Sie unter Zehn Rätsel des Unendlichen.

 

10. Verständnis-Irrtum. Naturwissenschaften und Mathematik sind heute so weit fortgeschritten, dass Laien sie nicht mehr verstehen können. Das gilt insbesondere für alles, was mit Unendlichkeit, Ewigkeit und dem Universum zu tun hat.

Das Gegenteil ist richtig. Den Beweis dafür finden Sie auf dieser Website.


 

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