Astrologie (v. griech. ástron "Stern" u. logos "Rede", "Fabel"), eine Wahrsagemethode, die einen Zusammenhang von Stern- und Planetenpositionen mit irdischen Vorgängen oder menschlichen Charakteren und Schicksalen annimmt. Astrologie ist nicht verwandt mit der ►Astronomie, dafür jedoch mit der ►Esoterik.

Schon frühe Völker benutzten scheinbar zufällige Eindrücke, wie die Flugrichtung von Vögeln, das Aussehen der Eingeweide von Opfertieren oder die Anordnung der Sterne am Himmel, um Aussagen oder Voraussagen zu treffen. Die aufwendigeren Methoden wurden im Lauf der Zeit aufgegeben - es wäre nicht nur grausam, sondern auch ziemlich teuer, zur Erstellung einer Prognose jedes Mal ein Schaf zu schlachten. Die einfacheren Vorhersagemethoden wie die Astrologie haben sich bis heute gehalten.

Wie oben, so unten

Der Grundsatz der klassischen Astrologie lautet "Wie oben, so unten": Die Konstellationen oben am Himmel beeinflussen die Ereignisse unten auf der Erde. Hierbei sind nicht die Jahreszeiten gemeint, sondern die Positionen der Planeten zueinander und zu den Sternbildern. Da die Planetenbahnen feststehen, hängt der Charakter eines Menschen nur von Zeit und Ort seiner Geburt ab. Auch sein weiteres Schicksal sowie auch die Schicksale von Firmen, Nationen, Plänen, Buchprojekten, Websites usw. werden von der Stellung der Planeten beeinflusst. Daher lassen sich nach dieser These Charakterbilder und Prognosen viel schneller und einfacher erstellen als durch aufwendige Psycho- oder Markt-Analysen.


Horoskop dieses Online-Lexikons*

Frühe Astrologen hatten noch den Himmel beobachtet. Heutzutage werden zur Erstellung eines Charakterbilds oder einer Prognose die Positionen von Sonne, Erdmond und Planeten aus einer Tabelle abgelesen und in einem grafischen Schema, dem Horoskop, gegen die Sternbilder des Tierkreises aufgetragen. Der Astrologe verbindet die Positionen mit bunten Linien und schlägt dann in seinen Astrologiebüchern die zu den Verbindungen passenden Merkmale nach*. Diese sind oft aus dem Namen des betreffenden Sternbilds abgeleitet, z.B. ergibt sich bei der Waage Unentschlossenheit, beim Löwen Machtbewusstsein und beim Steinbock ein Drang nach oben.

Leider haben viele Astrologen auch mit dieser einfachen Berechnung eigenartige Probleme. Die traditionelle westliche Astrologie benutzt nämlich noch immer eine aus dem Altertum stammende Tabelle mit Zuordnungen von Jahreszeiten zu Sternbildern. Letztere stehen jedoch wegen der 25780-jährigen Präzession der Erdachse inzwischen an ganz anderen Positionen am Firmament. Daher passen die Sternbilder der klassischen Astrologie nicht mehr zu den Geburtsdaten. Wenn Sie beispielsweise zwischen dem 23.11. und dem 21.12. geboren sind, ist Ihr Sternbild nicht etwa Schütze, wie Sie vielleicht bisher immer dachten, sondern Skorpion.

Eine peinliche Entdeckung

Auf diesen etwas peinlichen Umstand wurden die Astrologen erst im 20. Jahrhundert hingewiesen. Viele behielten jedoch ihre Rechenmethode bei. Zur Begründung wurde angeführt, die Astrologie verwende 'virtuelle' Sternbilder, die sich an der Erdachse orientieren und mit realen Sternbildern nichts zu tun haben. Das widerspricht freilich dem "Wie oben, so unten"-Grundsatz. Manche Astrologen gingen daher zu einer korrekten Berechnung der Sternbilder über, wodurch sie natürlich völlig unterschiedliche Ergebnisse erhalten als mit der traditionellen Methode. Wieder andere verzichten ganz auf Prognosen, geben eine rein psychologische Beratung und verwenden das Horoskop nur als schmückendes Beiwerk.

Zusätzlich zur Verwirrung trägt die Existenz von weiteren astrologischen Systemen bei - dem ägyptischen, indischen, altbabylonischen, chinesischen und dem altgriechischen - die mit unterschiedlichen Sternbildern und Sternbildnamen arbeiten und zu den gleichen Geburtsdaten sehr verschiedene Aussagen liefern. Dabei berücksichtigen einige die Erdpräzession, andere nicht. Welche der vielen Methoden die besten Charakteranalysen und Schicksalsprognosen liefert oder ob die Methode sowieso egal ist, konnte bisher unter Astrologen nicht geklärt werden.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Versuche unternommen, die Wirksamkeit von Astrologie in statistischen Untersuchungen nachzuweisen. Der französische Psychologe Michel Gauquelin veröffentlichte 1955 eine aufsehenerregende Studie, wonach bei 500 untersuchten Sportlern der Mars überdurchschnittlich oft zum Geburtszeitpunkt am Horizont stand - der sogenannte Mars-Effekt. Kritiker bemängelten die selektive Auswahl der untersuchten Sportler, die das Ergebnis verfälschte. Weitere Überprüfungen des Effekts durch andere Forscher mit anderen Sportlergruppen ergaben widersprüchliche Resultate - mal wurde ein Effekt gefunden, mal keiner, mal gar ein gegenteiliger Effekt. 1991 führte das französische Kommitee für paranormale Phänomene (CFEPP) eine groß angelegte Untersuchung aller bisherigen Studien durch, wobei alle Fehlerquellen weitmöglichst eliminiert wurden. Die Untersuchung ergab, dass ein Mars-Effekt nicht nachweisbar ist.


* Oft werden auch Computerprogramme zur Horoskoperstellung benutzt. Die erfreulichen astrologischen Prognosen zu diesem Online-Wörterbuch lauten: Sie lösen spannende und ernsthafte Diskussionen aus. Sie haben eine attraktive Ausstrahlung. Sie sind bei anderen Menschen sehr populär und beliebt.

Weblinks zum Thema

■ Astronomie und Astrologie - ein schwieriges Verhältnis
■ Experimente
■ Mars Effect

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